
DAVID CZUPRYN
Marie Juchacz, Öl auf Leinwand, 2025, 150 x 120 cm, courtesy the artist
Über den Künstler und sein Werk:
Das Porträt von Marie Juchacz steht in direktem Zusammenhang mit David Czupryns Privatleben. Marie Juchacz war Politikerin der Arbeiterbewegung und Mitglied der SoPaDe (der heutigen SPD). Im Jahr 1919 hielt sie als erste Frau eine Rede im Reichstag (dem deutschen Parlament). Sie stammte selbst aus einer Arbeiterfamilie, arbeitete als Näherin, war geschieden und alleinerziehende Mutter, lebte im Exil und wurde später sowohl Politikerin, als auch Gründerin der AWO (Arbeiterwohlfahrt).
Im Hintergrund des Gemäldes erscheint Juchacz‘ Porträt in einer Punkt-/Gitterstruktur. Rechts ist das Zunftwappen der Schneider zu sehen. Im Vordergrund steht eine Vase mit der Darstellung einer Mutter und ihres Kindes, mit einer Schere, platziert zwischen einem Sideboard und einigen architektonischen Formen, die die Buchstaben AWO bilden.
Die persönliche Verbindung zu David Czupryn lässt sich schnell erklären: Marie Juchacz ist eines seiner großen Vorbilder in der Geschichte der deutschen Politik. Er selbst wuchs in einer Arbeiterfamilie auf, verfolgte seinen Traum und wurde „Akademiker“ – man könnte ihn als sozial aufgestiegen bezeichnen, als Hochschulabsolvent der ersten Generation. Mit 18 Jahren, als er arbeitslos war, kam er zum ersten Mal mit der AWO in Kontakt, wo er seine Bewerbungen vorbereitete, die ihn schließlich zum Tischler machten.
Das zerbrochene Fenster bezieht sich auf den Zustand des Gebäudes zu dieser Zeit: Die Fenster waren immer zerbrochen und wurden nie repariert, basierend auf der Idee, dass ein Dieb sich nicht die Mühe machen würde, erneut einzubrechen, wenn sie zerbrochen blieben. Dies spiegelte in gewisser Weise den Satz „Hier gibt es nichts zu holen“ wider. Es knüpft auch an eine andere Perspektive der „Broken-Window-Theorie“ an, die während der Entstehung des Gemäldes der Arbeitstitel im Atelier war.